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Blog  29.09.2011 (Archiv)

Österreicher in Not? Asylanten gegen Facharbeiter...

Das Foto von einer Vergleichsrechnung, was ein Facharbeiter in Österreich verdient und was demgegenüber ein 'Asylant' bekommt polarisiert Facebook derzeit. Was steckt dahinter und wo ist die Quelle der Zahlen? Wir haben uns das genauer angesehen.



Das Foto geht durchs Internet und sorgt naturgemäß für Reaktionen. Selten positive, auch das ist klar. Eine Quelle wird für den Inhalt nicht genannt, auch scheinen die Zahlen nicht gerade glaubwürdig, eher tendentiös und mit Hintergedanken. Es wird Zeit, ein wenig nachzuforschen.

Sehen wir uns die Zahlen selbst an. Links finden wir die Aufstellung rund um den 'Asylant'. Es dürfte also um einen Menschen gehen, der nachweislich nicht in seine Heimat zurück kann und darf, jemand, den Österreich selbst nach dem aktuellen strengen Asylrecht aufgenommen hat - andernfalls wären die Zuwendungen nicht erklärbar. Vermutlich auch einer, dem die fehlende Arbeitsbewilligung einen Job vermasselt - dem der Staat zum Start im Land auch noch das Recht auf Arbeit nimmt.

Er (wir vermuten ersteren als Rechenbeispiel aufgrund der Bezeichnung) dürfte aber Glück gehabt haben, dass er zumindest Frau und Kinder mitnehmen konnte - 8-köpfige erfolgreich flüchtende Familien dürften relativ selten geschlossen ankommen - respekt!



Das Beispiel wird also anhand von 6 Kindern berechnet und alle Eckdaten eingehalten, die ein Maximum an Beihilfen garantieren. Dass trotzdem nur ca. 450 Euro pro Person im Monat herauskommen kann man nun als hoch oder gering ansehen - vergleichbare nicht-Asylanten würden jedenfalls genau gleich bewertet. Und typische Flüchtlinge werden eher nicht ins Raster der Maximalbezieher fallen, steht auch zu vermuten - da ist dann mit einer Tagesgage zwischen 10 und 15 Euro auszukommen, was schon weniger erstrebenswert in einem teuren Land wie Österreich aussieht.

Österreicher in Not

Die Gegenrechnung suggeriert freilich Anderes: Der 'Österreichische Facharbeiter' (auch hier die männliche Form) verdient interessanterweise nur etwa 1474 Euro im Monat - arbeitet ein Facharbeiter wirklich für diesen Lohn? Brutto natürlich, die Abzüge werden fein säuberlich aufgelistet. Auf jeden Fall nicht die Frau des Facharbeiters, die Gesinnung dahinter wird schon offensichtlich.

Fleissig mit 3 Kindern ist das Paar jedenfalls. Die Kärnter Wohnbeihilfe bekommt es nicht, die Familienbeihilfe schon. Es bleiben deutlich weniger Euro als beim Asylanten - Skandal!

Nicht alles, was hinkt ist ein Vergleich

Doch nicht so schnell - schon beim Vergleich fällt auf, dass kein Vergleich möglich ist. Unter gleichen Voraussetzungen nämlich würden die beiden Beispiele die gleichen Zahlen unten herausbekommen. Und selbst wenn man die Überschriften umdreht, ist das Ergebnis nicht falsch. Schließlich ist das eine internationale Vorgabe, auf die auch Österreich setzen muss.

Es geht dabei um insgesamt auch kleine Summen, die im staatlichen Budget nicht wesentlich ins Gewicht fallen. Aus menschlicher Sicht flüchtigen Menschen zu helfen wiegt da größer - und Österreich hat dabei eine gute Tradition, die man hoch halten darf. Woher kommen dann diese 'anschuldigenden' Zahlen, deren Ziel nur die Hetze sein können?

Wir forschen also nach dem Hintergrund der Daten weiter, woher sie stammen können. Dabei landen wir in einem Forum 'Nationale Revolution', wo die Grafik in Verweis auf eine noch einschlägigere Publikation auftaucht. Als Quelle dürfte daher vermutlich HNG von der als Partei organisierten AFP in Frage kommen, die als extrem rechts auffällt. 'Sammelbecken für Alt- und Neonazis' findet sich immer wieder in den Beschreibungen der Partei, die selbst nicht bei Wahlen auftritt. Rund um die Verweise und Quellen, die man zu den Zahlen findet, prangen demnach auch brennende Hakenkreuze und der Geruch einer unschönen Vergangenheit.

Und damit schließt sich der Kreis einer unappetitlichen Vermutung, die uns schon beim ersten Ansehen der Bilder in Facebook gekommen ist. Hier wird versucht, ohne Beleg und Absender, Hass und Vorurteile zu schüren. Schön wenigstens, dass selbst auf der 'Österreicher'-Seite Klischees bedient werden. Unterhalb haben wir auch noch den Link auf die Analyse, die vor einigen Jahren rund um eine ähnliche 'Statistik' der FPÖ gemacht wurde.

Schade um die Zeit derer, die sich so viel Gedanken und schwülstige Worte in den Kommentaren zu so viel unnützem Inhalt einfallen lassen. Es gäbe genug Inhalte rund um Integration und auch das Asylwesen, für die man das Gehirn besser einsetzen könnte. Was meinen Sie dazu? Über das Weiterleiten dieser Infos, Ergänzungen und Hinweise (im Forum oder Facebook) würden wir uns jedenfalls freuen und hoffen, dass Niveau und Qualität dieser Beiträge das Maß der Kommentare unter den Bildern selbst in Facebook übersteigt - zumindest aber nicht den rechtlichen Rahmen in Österreich verläßt, denn der dürfte in der ganzen Sache nicht selten verletzt worden sein. Auch eine Erkenntnis rund um die Angelegenheit, die uns zu dieser Analyse veranlaßt hat...

Projekt: Bis in die Ewigkeit

Schön, dass es auch andere Initiativen gibt, die aus Facebook durch User entstehen. Das 'Ewigkeit'-Projekt von Playmate-Model Sonja-Sophie etwa ist uns gestern aufgefallen. Wenden wir uns also jetzt der schöneren Seite des Lebens zu!

Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie hier!

#Asyl #Facebook #Neonazi #Rechtsextrem #Rassismus #Nationalsozialismus #Hass #Statistik #Zahlen



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Wolfgang Dorner 3.10.2011 06:55
Dieser Vergleich mag hinken.
Ob dieser Vergleich auch hinkt,möchte ich stark bezweifeln. Meine Frau hat 43 Arbeitsjahre für die Pension erworben.Ihre Pension ist knapp über der Mindestsicherung,d.h., sie bekommt,sollte sie einmal ... [mehr!]
hannes breitenberger* 3.10.2011 08:25
hinkt oder nicht
Fakt ist, dass der Österreicher der Arbeiten geht etwas einzahlt - viell. schon über mehrere Jahrzehnte. Der andere, der hierher kommt und noch nie etwas eingezahlt hat soll die gleich oder sogar bess ... [mehr!]
Wolfgang Dorner 3.10.2011 08:32
AW: hinkt oder nicht
Nicht Österreich sollten sie danken, sondern all jenen Gutmenschen, GrünossInnen, NGOs und Befürwortern dieser Praxis. Die sind nämlich schuld daran, dass man als Österreicher der Betrogene ist. ... [mehr!]
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