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Blog  19.12.2013 (Archiv)

Uneinsichtige Innung nach 'Watsche'

Die Innung der Fotografen hat das Ende der Geschichte verpasst und spielt munter weiter, nachdem das Publikum das fulminante Ende samt Applaus und Standing Ovations bereits besiegelt hat.

Das Stück an sich war aufgrund der inherenten Komik durchaus kurzweilig. Da war auf der einen Seite eine Gruppe alternder bzw. zumindest in alten Dimensionen denkender Vertreter. Und auf der anderen Seite war die Welt, die sich nach K&K-Zeiten schon deutlich weiter gedreht hat, zuletzt sogar technische Innovationen wie die Digitalisierung durchgemacht hat. Die Geschichte spielt im Umfeld der Fotografen, hat also sogar etwas Glamour und Öffentlichkeitswirksames - zumindest ein wenig.

Die Posse begann wohl tief im vorigen Jahrtausend. Wo Kasten geöffnet wurden, Berufe freier zugänglich wurden, eine industrielle Revolution stattfand und Dienstleistung bestimmend wurde, gab es ein letztes Bündnis, eine letzte geschützte Werkstatt, ein Bollwerk gegen die Moderne. Es war die Fotografeninnung, die sich Zugangshürden einfielen ließ, deren Vertreter es verstanden, Geschäfte unter sich auszumachen, mitunter Zugang auch profitabel zu machen und viele Dinge mehr. Da wurden selbst Richtlinien erfunden, die simple Passfotos zum reglementierten System werden ließen und ein ganzes Ausbildungssystem zum Einkommensmodell für Insider wurde.

Die Welt, die da entstand, war abgekoppelt vom Rest. Man konnte meinen, der drehende Erdball wurde verlassen, wenn man in diese eintrat. Der Blick auf die Scheibe, die da aufrecht erhalten wurde, war durchaus faszinierend in diesem Theaterstück. Und jene, die auf dieser Scheibe (gut) lebten, haben auch noch den Blick auf die Welt da draußen verloren, wie es scheint. Auch das ist ein Teil der verschrobenen Komik, die sich in einem solchen Plot ergibt.

Retardierende Momente

Richtig spannend wird eine Geschichte wie diese allerdings dann, wenn es Verwicklungen zwischen der richtigen und der Scheinwelt gibt. Wenn etwa die echte Welt den Zugang öffnen will und damit in die geschützte Werkstätte eindringen mag. Und diese dann Erfindungen tätigt wie den 3-Jahre-Wartebereich für Neuankömmlinge. Diese durften freilich in der Wartezone bereits ein wenig teilhaben an der K&K-Tradition, zahlen durfte sie auch schon. Ausgebuht wurden und werden sie von ihren Vertretern in der schrulligen Welt trotzdem.


Heiteres Bezirksgericht? Nein, es geht um die Verfassung!

Während die restliche Welt ohnehin ihr eigenes Süppchen kocht, die Scheibe auf gut Wienerisch 'net amoi ignoriert', hat die Moderne dann aber doch keine rechte Freude an dem Anhängsel aus der Vergangenheit und sortiert am Ende des Stücks aus: Per Gerichtsentscheid wird die Tür geöffnet. Szene und Stück beendet, Applaus, Heim gehen - Geschichten mit Happy End sind halt die schönsten.

Kleinkunst kennt kein Ende

Die Kleinkunst aus der Parallelwelt hat den Wink mit dem Händeklatschen scheinbar nicht ganz verstanden. Wir verlassen die Ebene des Sarkasmus und finden uns in den Zitaten aus der nachfolgenden Meldung aus den Reihen hinter der ehemals verschlossenen Tür dann schon wieder in scheinbarer Ironie wieder. PR-Aussendung der Innung, die eigentlich ihre neuen Mitglieder freundlich empfangen und vertreten müsste: 'Ohne diese Sicherheit müssen sich Kunden von nun an für jeden fotografischen Auftrag die dazu befähigte Firma suchen, z.B. für Passbilder die Firma X, für Portraits die Firma Y, für Werbung die Firma Z - eine Lösung, die den Konsumenten verwirrt.'

Nun gut, wenn man die Marktwirtschaft vor den ehemals verschlossenen Toren so sieht, muss man wirklich Angst vor der Welt da draußen haben. Vorsicht, Innung: Die Welt da, die dreht sich. Das Publikum ist aber bereits weg, wenn jemand fällt, sieht's eh keiner.

Wer die Geschichte in respektvolleren Worten verfolgen will, findet unterhalb die Links dazu. Und die Presseaussendung der Innung nach ihrer 'Entmachtung' findet sich da auch. Wird zumindest spannend, wie man nach solchen Darstellungen die neuen Mitglieder ehrlich, seriös und tatsächlich vertreten können will - vermutlich geht das nur nach einem Tausch der Standesvertreter, die sogar Entscheide der obersten Verfassungsrichter negieren und lieber weiter machen wollen, wie bisher.

Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie hier!

#Fotografen #Innung #Österreich #Gewerbe #Presse #Gericht



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